„Das Christentum und der Islam sind beide missionarische Religionen.”
Das Christentum missioniert Menschen, der Islam missioniert geographische Gebiete.
Ein christlicher Missionar reißt sich ein Bein aus und verwendet manchmal elendig viel Zeit darauf, nur eine einzige Person zu Jesus zu bekehren. Die politische Form des Landes ist dabei belanglos - womit ich nicht sagen will, dass überzeugte Christen keine politischen Vorlieben haben, es ist nur für die Missionierung egal. Das ist diese Zwei-Reiche-Geschichte. Und die hat der Islam nicht.
Islamischen “Missionaren” ist es nicht so wichtig, Personen zum Islam zu konvertieren. Man muss ehrlich zugeben, dass sie diesbezüglich nicht sonderlich aufdringlich sind. Ein Land ist islamisch, wenn die Staatsform islamisch ist und die Scharia gilt. Die Anzahl der Moslems in diesem Land ist zweitrangig, wenn natürlich auch nicht vollkommen gleichgültig.
Deshalb könnten theoretisch die beiden Missionierungsbewegungen durchaus parallel laufen. Der Islam ergreift die Staatsmacht und fingert am Rechtssystem in Richtung Scharia rum, schränkt die Meinungsfreiheit islamkompatibel ein etc. Und das Christentum geht auf Seelenfischerei.
Man hat immer auch ein bisschen die Besorgnis, dass zumindest manche Christen ein bisschen das Bedürfnis danach haben, verfolgt zu sein - vor allem natürlich jene, die (noch) nicht wissen, wie das ist. Schließlich war Jesus auch ein Verfolgter, seine Jünger und die Urchristen waren es ebenso wie die christlichen Märtyrer.
Und ob das Parallel-Missionieren praktisch funktioniert, ist eine andere Frage. Hoffen wir, dass dem Kardinal und seinen Kollegen das nicht auf Antwort darauf:
Es stellt sich daher die Frage, wie zwei missionarische Religionen miteinander und mit anderen Religionen umgehen.“
vorschwebt.
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